23.01.2017

Landarzt-Beruf anders attraktiver machen - Studienbeihilfe fraglich

Schaper: Studienbeihilfe löst Ärztemangel auf dem Land nicht - das belegen Zahlen / Landarzt-Beruf anders attraktiver machen

Zum Artikel „Landarzt auf Rezept“ (Süddeutsche Zeitung von heute) erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag Susanne Schaper:

Die Idee, am Arztberuf interessierte junge Menschen schon vor Studienbeginn für eine Tätigkeit als Landarzt verpflichten zu wollen, wird in Sachsen bereits praktiziert. Mit mäßigem Erfolg, wie die Zahlen zeigen. Obwohl Studierende Studienbeihilfe in Höhe von bis zu insgesamt 19.200 Euro erhalten konnten, waren bei den ersten Förderprogrammen immer wieder Plätze frei (vgl. Kleine Anfragen „Förderprogramm für Medizinstudenten“, Parlaments-Drucksachen 6/1609, 6/2081, 6/4919).

Bei dem neuen Programm „Ausbildungsbeihilfe“ beträgt die monatliche Beihilfe 1.000 Euro, was zu einer vollen Auslastung der Förderplätze führte. Neben Fragen zur Wirksamkeit solcher Programme muss außerdem beantwortet werden, ob man Studierende überhaupt zusätzlich zur Rückforderung der Beihilfe rechtlich belangen kann, wenn sie sich nach dem Studium doch für eine andere Tätigkeit entscheiden oder ihr Studium nicht abschließen. Was für private Unternehmen bei der Auswahl ihrer Auszubildenden nicht durchsetzbar ist, sollte auch für den Staat gelten. Aus gutem Grund sind solche Verpflichtungsklauseln in Ausbildungsverträgen nichtig.

Wichtiger als Studienbeihilfe bei vorliegenden Verpflichtungserklärungen zu zahlen, wäre es für attraktivere Arbeits- und Lebensbedingungen im ländlichen Raum zu sorgen, die die Niederlassung von Ärzten befördert. So sollten mehr Medizinische Versorgungszentren an Krankenhäuser angegliedert werden und über flexiblere Vergütungsmodelle für Ärzte in ländlichen Regionen nachgedacht werden. Nicht jeder junge Mensch, der Arzt werden möchte, will zugleich ein mittelständisches Wirtschaftsunternehmen in Form einer Arztpraxis leiten; viele ziehen allein schon wegen der besseren Vereinbarkeit mit dem Familienleben die Arbeit als Angestellte im Gesundheitsbereich vor.

Vielleicht sollte man auch überlegen, ob ein Numerus clausus von 1,0 noch zeitgemäß ist oder nicht viel mehr auch soziale Kompetenzen für einen Mediziner ausschlaggebend sind.

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