28.02.2017

Geburtenboom in Leipzig, Dresden und Chemnitz

Schaper / Lauterbach: Großstädtische Geburtsklinken überlastet, weil in den Landkreisen Kreißsäle und Hebammen fehlen

Medienberichten zufolge geraten die Geburtskliniken in Leipzig, Dresden und Chemnitz wegen hoher Geburtenzahlen an die Kapazitätsgrenze. Dazu erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Susanne Schaper:

Die großstädtischen Kreißsäle sind nicht nur wegen steigender Bevölkerungszahlen extrem ausgelastet, sondern auch, weil viele Kreißsäle in den Landkreisen geschlossen worden sind. Dort sank die Zahl der Geburtenstationen von 50 im Jahr 2010 auf 41 im Jahr 2017 (siehe Kleine Anfrage „Geburtenstation im Diakonie-Krankenhaus Hartmannsdorf“, Drs 6/8152). Wie der Fall Hartmannsdorf zeigt, gibt es dafür vielschichtige Ursachen. So fehlen Kinderärzte, die Rufbereitschaft übernehmen, und Beleghebammen, weil die Krankenhäuser es sich kaum noch leisten können, Hebammen einzustellen. Sinkt die Geburtenzahl an einem Standort, führt das zur Schließung, weil heute vor allem betriebswirtschaftlich gedacht wird. Möglicherweise vermuten zudem viele Frauen, dass eine hohe Geburtenzahl an einem Krankenhausstandort eine hohe Betreuungsqualität belege. Allerdings kann eine hohe Auslastung die individuelle Betreuung von Frauen und Kindern beeinträchtigen.

Es ist bemerkenswert, dass die Staatsregierung nicht weiß, ob eine wohnortnahe Versorgung mit Hebammen gewährleistet ist. Wie man so überprüfen will, ob man den Koalitionsvertrag einhält, ist mir schleierhaft. Wir fordern von der Staatsregierung, weitere Schließungen im Rahmen der Krankenhausplanung nicht zuzulassen und darauf hinzuwirken, dass die wohnortnahe Versorgung mit Hebammen in Sachsen gewährleistet wird. Weitere Schließungen würden die Überlastung der Geburtenstationen in den Großstädten verschärfen.

Die familienpolitische Sprecherin Kerstin Lauterbach ergänzt:

Hebammen im ländlichen Raum haben kaum noch die Möglichkeit, Geburtshilfe zu leisten. Das liegt zum einen daran, dass immer weniger Krankenhäuser über Geburtenstationen verfügen, zum anderen bringen hohe Haftpflichtprämien die Hebammen in Geburtshäusern in finanzielle Schwierigkeiten. Freiberufliche Hebammen beschäftigen sich daher im ländlichen Raum oft nur noch mit der Vor- und Nachsorge bei Schwangeren und jungen Müttern. Das ist schade, denn die ureigene Aufgabe einer Hebamme ist eigentlich eine andere.

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AKTUELLER ANTRAG
«Solidarische und gerechte Finanzierung von Gesundheit und Pflege»

der Fraktion DIE LINKE im Bundestag
28.03.2017

Antrag (Vorabversion)
hier (PDF-Datei 895 Kb)

BEITRAGSRECHNER
Wenn es eine solidarische Gesundheitsversicherung gäbe, was müsste ich bezahlen?

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